Mond, Blut und 1000 Jahre - Der Namib Naukluft Park

Viel ist passiert seit unserem letzten Post. Das offensichtlichste vorab: wir leben noch. Also schonmal gute Nachrichten. 
Unsere Reise führt uns aus Swakopmund also in den Namib Naukluft Park. Gleich zu Beginn windet die Piste sich durch das ausgetrocknete Flussbett (Riviere) des Swakop. Streckenweise muss ich zum ersten Mal den Allrad einlegen, um nicht im Sand stecken zu bleiben. Unser Auto, mit seinem hohen Schwerpunkt, wackelt stellenweise bedrohlich, aber außer dass ich viel Dreck aufwirbele und mich darüber freue passiert nichts. Die Strecke ist eindrucksvoll und verhältnismäßig grün. Der Fluss erscheint zwar ausgetrocknet, aber tief unter der Oberfläche führt er dennoch weiterhin Wasser. Deshalb kann die Vegetation vor allem in den Betten dieser scheinbar toten Flüsse gedeihen. Dieses Phänomen konnten wir seit dem noch häufiger beobachten. In kargem Wüstengebiet wachsen entlang der augenscheinlich trockenen Flussbetten Büsche und teilweise sogar Bäume. So bilden die Riviere die Lebensadern dieses trockenen Landes.
 
In der Oase Goanikontes verlassen wir den Swakop und sein grünes Tal. Schlagartig ändert sich die Landschaft. Kies, Sand und Steine so weit das Auge reicht. Wir sind in den Moon Landscapes. Doch auch hier gibt es Leben. Auf den Steinen wachsen kleine Flechten, die schwarz und von der Sonne verbrannt aussehen. Ein Tropfen Wasser aus unseren Trinkflaschen haucht ihnen neues Leben ein und innerhalb weniger Sekunden erwachen die totgeglaubten Plätzchen. 
 
Doch Flechten sind nicht das Einzige was hier wächst. Nach einer weiteren Stunde Fahrt erreichen wir ein Feld Welwitschia mirabilis, eine der seltensten Pflanzen der Welt. Hunderte sonderbar aussehende Gewächse verteilen sich Mitten in Wüste. Es gibt Männlein mit spitzen, länglichen Knospen und Weiblein mit prallen, runden Knospen. Wir fanden das witzig und haben wie Pubertierende gekichert, was auch an der Sonne gelegen haben mag. Man darf nicht zu nah ran, da die empfindlichen Wurzeln flach unter der Oberfläche verlaufen und durch unachtsame Schritte kaputt gehen würden. Das wirklich besondere der Welwitschia ist ihr Alter. Die Größte von ihnen ist um die 1500 Jahre alt. 
 
Leider kann die Pflanze nichts aus ihrem Leben erzählen (obwohl das in dieser Gegend wohl auch eher eintönig wäre) und so fahren wir über holprige Pisten weiter zur Blutkuppe, einem großen rötlichen Granitfelsen. Er erinnert ein wenig an den Ayers Rock in Australien. Für mich ist sofort klar: ich muss da hoch. Kerstin dagegen ist etwas ängstlich. Mit gutem Grund: Der Granit erodiert an der Oberfläche, weshalb er sich wie eine Zwiebel schält und immer wieder Gesteinsplatten lose und rutschig auf dem Felsen liegen. Vorsichtig erklimmen wir den Felsen und es lohnt sich. Trotz bedecktem Himmel und starkem Wind genießen wir den Rundumblick über die schier unendlichen Weiten der Wüste. Zum Glück gibt es keinen Regen und so können wir auch wieder sicher absteigen. 
 
Die Sonne geht unter und wir erfahren woher die Blutkuppe ihren Namen hat. Mit der aufkommenden Dunkelheit fühlt sich Kerstin zunehmend unbehaglich. Während die Einsamkeit für mich eher beruhigend wirkt, verängstigt sie Kerstin. Wir sind mitten in der unbekannten Wildnis und können nicht sehen, was im Dunkeln auf uns zu kommt. So gerät selbst der Gang zum 200m entfernten Plumsklo zur Mutprobe. Es bleibt alles ruhig und so gehen wir bald ins Bett. 
 
Der kommende Morgen hält für uns dann die erste handfeste kleinere Krise bereit. Auf der Suche nach Wasser werden unzählige Bienen bei uns fündig. Selbst in den Resten des Spülwassers sitzen zwei Dutzend von ihnen. Kerstin mag keine Bienen und bei mir ist nach wie vor nicht sicher, ob ich nicht doch allergisch auf ihre Stiche reagiere. Als sie dann auch in Scharen um Kerstin herum fliegen, wird es ihr Zuviel. Von Angst übermannt flüchtet sie ins Auto und kommt bis zur Abfahrt nicht mehr heraus. Während Petra und ich verschont bleiben, erwischt eine Biene Heinz kurz bevor er ins Auto steigen will noch am Arm. 
Der Rest des Tages verläuft relativ ruhig. Wir schauen uns noch einen Staudamm einer Riviere an. Er mutet etwas fehl am Platze an, doch er scheint zu funktionieren. Vor der Staumauer ist der Sand feuchter und die Vegetation grüner und dichter. Der Kadaver eines Zebras am Straßenrand macht uns nochmal verstärkt bewusst dass die Wüste kein Spielplatz ist, sondern dass es für die Tiere hier im Leben und Tod geht. 
 
Am Abend übernachten wir an einem Wasserloch und können in der Dämmerung Strauße, Oryx-, Zebra- und Kuduherden aus der Ferne beobachten. Sogar zwei Pumbas (Warzenschweine) kommen vorbei, worüber ich mich besonders freue. Mit ihren Stummelbeinchen und ihrem hoch erhobenem Schwanz laufen sie hintereinander her. Sehr witzig! Die Tiere sind scheu und rennen weg sobald wir uns auf mehr als 100m nähern. Die Hitze, der starke Wind, die Holperpisten und die vielen Eindrücke der letzten Tage haben uns sehr erschöpft, weshalb wir mit der Sonne ins Bett gehen. 
 
Etwas naiv glauben wir, dass es ab jetzt weniger anstrengend werden wird. Damit liegen wir falsch. Unsere Fahrt führt uns weiter nach Süden zu den Dünen von Sossusvlei. Kerstin wird euch im nächsten Post berichten, was uns dort erwartet. 

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