Von der Freiheit und dem guten Leben

Vor unserer Abreise von der Niedersachen Farm führt uns der Besitzer noch kurz durch sein Haus und erzählt uns einen Schwank aus seinem Leben. Vor über 50 Jahren sei er mit Mitte 20 nach Namibia ausgewandert. Heute fahre er zwar noch nach Deutschland, aber es sei eigentlich nicht mehr sein Land. Zu hektisch. Zu verweichlicht. Zu unfrei. Hier nenne er 180 Quadratkilometer sein eigen. Das Leben sei zwar extrem hart, aber er könne sein eigener Herr sein und sich mit den wichtigen Dingen des Lebens beschäftigen.
Im Hintergrund NiedersachenObwohl wir zu der Jugend gehören über die er schimpft, können wir seinen markigen Sprüchen nicht grundsätzlich widersprechen. Sein Leben ist hart, körperlich hart. Gleichzeitig ist es leicht, psychisch unkompliziert. Täglich geht es um essentielle Fragen. Wo kann ich Wild jagen? Was ist kaputt und muss repariert werden? Und die lebenswichtigste Frage: wo bekomme ich Wasser her? In dieser Region ist jeder Tropfen Wasser wertvoll. Es ist spannend sich mit einem Zeugen einer anderen Welt zu unterhalten. Obwohl ich nicht tauschen möchte, kann ich mir den Reiz seines Lebens gut vorstellen. Doch seine Ära geht zu Ende. Sein Sohn sei mit Frau und Kindern zurück nach Deutschland gegangen. Der Regen bleibt immer häufiger aus (die letzten drei Jahre waren selbst für diese Region ungewöhnlich trocken) und so wird er die Farm mit seinen heute 77 Jahren nicht mehr lang führen können.

Auch wir setzen unsere Reise Richtung Küste fort. Kilometer für Kilometer kann man die Veränderung der Landschaft bestaunen. Das verhältnismäßig grüne Hochland der Hauptstadt verwandelt sich langsam in eine Wüste. Leider kann ich dieses Schauspiel weder gut beschreiben noch zeigt es sich auf Bildern. Doch die gesamte Fahrt über blicke ich fasziniert in die Landschaft (zum Glück gibt es auf den Pisten kaum Verkehr, sonst hätte ich den beachten müssen). Meine Beifahrerin zeigt sich in ihrer unfassbar niedlichen Art ebenso begeistert und hüpft quietschend auf ihrem Sitz auf und ab. Statt der Landschaft sind bei Kerstin die ersten wilden Tiere am Wegesrand der Auslöser. Zwei Zebras trotten über einen kleinen Bergkamm zu unserer Rechten, ein paar Kilometer weiter verwest einer ihrer Kameraden am Straßenrand. Strauße stehen im Schatten eines kleinen Baumes und beobachten uns (sie haben den Kopf also nicht in den Sand gesteckt, sonst wäre das mit dem Beobachten schwer). Immer wieder hüpfen Springböcke und Oryxe durch den Sand und flüchten vor unserem herandonnernden Auto. Das Spektakel bekommt durch die überall aufgestellten Zäune leider einen faden Beigeschmack. Mehrfach rennen flüchtende Böcke in die Drähten der Zäune und erschrecken durch den unerwarteten Widerstand. Während unserer Minisafari können sich alle wieder aufrappeln, aber das wird wahrscheinlich nicht immer so gut ausgehen. Und dann steht sie da. Einfach so hinter einem der Zäune und glotzt uns an. Kerstins erste wilde Giraffe. 
aus den Bergen kommen wir 
 

Auf den nächsten Kilometern wird die Landschaft zunehmend unwirtlicher und die Tiere dementsprechend weniger. Die letzten 100km vor Swakopmund sehen wir nur noch Sand und Steine.

Swakopmund selbst ist die namibische Touristenhochburg. Hier kann man sich am kühlen Atlantik (der Bengalen Strom bringt konstant kaltes, nährstoffreiches Wasser aus der Arktis) jeder Zeit von der Hitze der Wüste erholen. Obwohl wir noch nicht lang unterwegs sind genießen auch wir die kühle Brise. Am Abend gehen wir im Jetty1905 essen. Das schicke Restaurant liegt am Ende eines Piers, also praktisch Mitten im Meer. 
  
Leider bleibt der Sonnenuntergang größtenteils hinten den Wolken verborgen. Dennoch genießen wir den Abend in vollen Zügen. Wenngleich der Ausblick das Highlight darstellt, lassen auch der Service und das Essen keine Wünsche offen und so kehren wir zufrieden in unser mobiles Zuhause zurück. 

Heute haben wir uns eine Fahrerlaubnis für den Namib-Naukluft Park besorgt und unsere Vorräte wüstentauglich aufgestockt. Die nächste Etappe unserer Reise führt mehrere Tage querbeet durch die Einsamkeit der namibischen Wüste. Es wird einige Tage dauern, bis wir wieder Internetzugang haben werden. Stay tuned.

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