Ay heiß

27. Januar - 31. Januar

Nach Kolmanskoppe geht es mit einem Zwischenstopp in Klein-Aus Vista (recht schön, aber sehr voll und ohne Strom) weiter über Keetmanshoop in das Köcherbaumwald Camp. Dort werden wir vor der Rezeption von einem frei laufenden, dicken Warzenschwein begrüßt und im Gehege nebenan schreiten zwei Geparden hinter dem Zaun auf und ab. Sie warten auf ihr Futter, das sie um 18Uhr bekommen sollen. Alle Touristen des Platzes stehen schon bereit und marschieren pünktlich ins Gehege. Zum Glück ist die alte Gepardendame ziemlich verwöhnt und frisst nur fettfreie, mundgerechte Rinderhappen und so können wir ihr ganz nah kommen und in Ruhe beim Fressen zusehen. Wir lernen, dass Geparden nicht klettern können, kein Aas fressen und ihre Opfer nie frontal angreifen (außer sie sind sehr klein). In Freiheit werden sie bis zu 14 Jahre alt, während sie in Gefangenschaft häufig 18 Jahre und mehr erreichen. Unsere Gepardendame bringt es bereits auf stolze 21 Jahre.
Verdammter Ast!
Kerstin und Pumba

Wir sind alle ziemlich erschöpft und so beschließen wir zwei Nächte im Camp zu bleiben. So wirklich ausspannen können wir aber nicht. In den letzten zweieinhalb Wochen haben wir ordentlich Dreckwäsche gesammelt und Handwäsche ohne Erfahrung, das dauert. Am Abend gehen wir in den Köcherbaumwald. Das rote Licht der Dämmerung in Kombination mit den sonderbaren Bäume ergibt eine mystische Atmosphäre. Während wir dort sitzen beobachten uns argwönisch unzählige Klippschliefer. Die Tiere geben gelegentlich laute Schreie von sich, die klingen als, ob sie bei lebendigem Leib gehäutet werden.
Handwäsche
Köcherwaldblick kurz vor der Dämmerung
Ein Klippschliefer beobachtet meine Schritte
Magische Atmosphäre
Der "Ruhetag" geht viel zu schnell um, aber wir wollen weiter. Um die Ecke liegt der Giant's Playground. Ein Feld mit Steingebilden, die aussehen, als ob sie von Riesen so aufgebaut worden wären. Kerstin und ich machen einen Abstecher dort hin, dann starten wir in Richtung Süden.
Auch für kleinere Giganten
Giant's Playground


























Gondwana Canyon Roudhouse
Bevor wir die Grenze nach Südafrika überqueren, möchten wir den Fishriver Canyon ansehen. Es ist ein Must-See, doch unsere Begeisterung hält sich in Grenzen. Die Gegend um den Canyon ist bekannt für ihre extremen Temperaturen. Schon auf dem Weg haben wir oft den Eindruck als ob eine höhere Gewalt einen heißen Fön in das offene Fenster hält.
Vor der Grenze des Nationalparks nächtigen wir im Gondwana Canyon Roadhouse. Gern würden Kerstin und ich dort länger bleiben, denn das Roadhouse ist ziemlich cool und liebevoll eingerichtet. Im Gebäude stehen bestimmt ein Dutzend Oldtimer zur Dekoration. Auf der Herrentoilette ist eine attraktive nackte Frau an die Wand gemalt, ihre Scham nur verdeckt von einer Box mit Tür. Plötzlich ertönt durch die Halle ein schrilles Klingeln. In dem Moment wird mir klar, dass ich in die Falle getappt bin und die Tür besser zu gelassen hätte. Da bin ich wohl erwischt worden. Auf dem Weg zur Theke lächeln mich die Barfrauen schon verschmitzt an. In dem Moment tönt das Pfeifen einer Dampflock. Kerstin konnte sich wohl auch nicht zügeln :).

Am nächsten Morgen haben wir Glück. Für die Verhältnisse hier ist es eher kühl. Trotzdem ist es strengstens verboten in den Canyon hinunter zu steigen. Der Wanderweg durch die Schlucht habe schon einige Menschen das Leben gekostet und ist daher nur im Südwinter geöffnet. So genießen wir entspannt den Blick von oben über den zweitgrößten Canyon der Erde (Platz 1 belegt der Grand Canyon in den USA).
Fishriver Canyon
Ich halte dich!
Chillen bei 43C Wassertemperatur
Als wir gegen Nachmittag in Richtung Ai-Ais aufbrechen wird es immer wärmer. Wir beginnen an unserem eigenen Verstand zu zweifeln. Wer fährt im Hochsommer in die Wüste an einen Ort der übersetzt "heiß-heiß" heißt? Wir sind froh, dass der Name sich in erster Linie auf die heißen Quellen dieser Oase bezieht. Es sprudelt unaufhörlich 65C heißes Wasser aus der Erde, wird abgekühlt und in ein großes Thermalbecken geleitet. Man könnte ja meinen, dass ein Thermalbecken in der Wüste vollkommen beknackt ist, aber Ai-Ais ist im Prinzip nichts anderes als eine riesige Touristenattraktion und auch in der Nebensaison ist es recht voll hier. Naja wenn wir schon da sind, dann springen wir eben kurz rein. Zur Abkühlung ist dieser Pool allerdings selbst bei 38C im Schatten denkbar ungeeignet. Das Wasser hat gemütliche 43C und wir kommen uns eher wie Fleischeinlage in einem großen Suppentopf vor. Ay-heiß isses. Als wir wieder raus steigen, fühlt die Luft sich im Vergleich etwas weniger heiß an. Ahhh so soll das mit der Abkühlung funktionieren. Ai-Ais kann uns nicht wirklich begeistern, zumal der einzige Campingplatz sehr teuer (über 13€ p.P/Nacht) und stellenweise ziemlich ungepflegt ist. Wir alle haben erstmal genug von sengender Hitze und karger Wüste. Also fällt es uns nicht schwer am nächsten Tag weiter in Richtung Grenze nach Südafrika zu fahren.

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