Der Wind peitscht uns vorwärts

23. Januar Abend - 26. Januar

Dem frühen Aufstehen, Big Daddy und der Hitze zollten wir am Nachmittag unseren Tribut und unser nächstes Camp lag enorme 1,5km vom vorhergehenden entfernt, nämlich direkt außerhalb der Parkgrenze. Dort hatte auch Dorothee Fleck ihr Lager aufgeschlagen. Dorothee hat bereits zwei mal allein mit dem Fahrrad die Welt umrundet und ist aktuell unterwegs Afrika zu durchqueren. Im Dezember 2015 startete sie in Deutschland und möchte bis Februar Kapstadt erreichen. Einmal durch kann ja jeder und so plant sie bis Ende des Jahres über die Ostroute nach Deutschland zurück zu radeln. Dank der kontaktfreudigen Art von Heinz, saß sie am Abend bei uns am Tisch und wir hörten spannende Details einer außergewöhnlichen Lebenweise.
Mit einem Zwischenstopp in Tirool (mäßige Lage aber eine unglaublich nette Besitzerin) geht es weiter nach Lüderitz. Dort bekommen wir unsere Abkühlung. 20C weniger als zwei Tage zuvor und sehr starker Wind sind dann aber auch nicht, was wir uns erhofft hatten. Das hält Kerstin nicht davon ab stundenlang aufs Meer hinaus zu starren. Sie hat in der Bucht ein paar Delphine entdeckt. Dass sie dabei freudig quietscht, könnt ihr euch sicher denken.
Kerstin hat Delphine in der Bucht entdeckt

Es ist kalt am Strand
Lüderitz hat eine ganz andere Atmosphäre als beispielsweise Swakopmund. Obwohl die Stadt sich bemüht eine Infrastruktur für Touristen zu schaffen, existiert sie vorwiegend wegen ihrer Fisch- und Zinkindustrie. Das spiegelt sich beispielsweise in den Bewohnern wieder. Hier leben heute überwiegend Farbige. Viele Weiße haben die Stadt in den wirtschaftlich schlechten Jahren verlassen. Doch die Lage in Lüderitz hat sich mittlerweile stabilisiert. Eine Pipeline bringt sauberes Wasser aus den Bergen und es gibt wieder Arbeit. Die Menschen, mit denen wir sprechen, klingen glücklich und zufrieden.
Das nächste Highlight unserer Reise ist Kolmanskoppe, die Geisterstadt. Während den Anfängen des Diamanetenbooms in Namibia (man konnte die glänzenden Steine einfach vor sich im Sand aufsammeln) wurde diese Stadt von deutschen Schürfern mitten in der Wüste innerhalb von zwei Jahren aus dem Boden gestampft. Inklusive Schlachterei, Bäckerei, Eisfabrik, Schule, Sporthalle, Krankenhaus und allem was man sonst noch braucht. Ab 1930 gab es keine Diamanten mehr und die Menschen übergaben ihre Stadt 1957 endgültig der Wüste. Seitdem erobert der Sand die Häuser Stück für Stück und für den leidensfähigen Touristen bietet sich ein besonderer Anblick. Leidensfähig? Ja, der Wind peitscht an diesem Tag den Sand durch Kolmanskoppe. Es scheint als wolle er uns sagen: "Ihr habt hier nichts mehr zu suchen, raus!"


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