Familienausflug
15. Februar bis 19. Februar


Für heute Nachmittag steht die Familienzusammenführung an. Wir wollen meinen Bruder und seine Freundin auf dem Chapman's Peak Campingplatz treffen. Den Vormittag nutzen Kerstin und ich, um Kapstadt nochmal zu Fuß zu erkunden. Unser Spaziergang führt uns von der Waterfront zur Longstreet und über Bo-Kaap zurück.
Am späten Nachmittag brechen wir in den Feierabendverkehr auf und rollen mit der Blechlawine die bezaubernde Atlantikküste entlang in Richtung Chapman's Peak Drive. Die berühmte Straße begeistert auch uns und wir halten mehrfach an, um das Panorama auf Bildern einzufangen.
Unser erster gemeinsamer Familienabend endet bald nach dem Essen, denn wir sind alle müde.
Am nächsten Tag bricht meine ganze Sippe nach Süden zum "Kap der guten Hoffnung" auf. Das Kap ist weltberühmt, obwohl es weder der südlichste Punkt Afrikas noch die offizielle Grenze zwischen indischem und atlantischem Ozean ist. Diese beiden Ehren gebühren dem deutlich unbekannteren Kap Agulhas weiter im Osten. Es ist eine schöne Landschaft doch den besonderen Zauber des Kaps erkennen wir nicht oder er bleibt uns verborgen. Auch die berühmten Paviane, die hier in aggressiven Massen auftreten sollen, scheinen heute Urlaub zu machen. Wir sehen nicht einen Affen.
Vom Cape Point aus fahren wir entlang der Küste der False Bay. Die Küstenstraße geht über weite Strecken unmittelbar am Meer entlang und ist sehr sehenswert. Bei Stellenbosch verbringen wir die Nacht.
Die nächsten beiden Tage wollen wir viel Fahrstrecke zurücklegen. Heute geht es erstmal an der Küste entlang (R44) nach Betty's Bay, wo wir eine kleine Kolonie afrikanischer Pinguine beobachten können. Weiter über Kleinmond geht es dann auf die R43 Richtung Hermanus. Die Strecke ist landschaftlich sehenswert. Nach Hermanus fahren wir durch das Landesinnere zum südlichen Punkt Afrikas, dem Kap Agulhas. Die Landschaft entlang des Weges ist jetzt recht eintönig. Hier treffen offiziell der indische und atlantische Ozean aufeinander. Wirklich sehenswert ist das Kap nicht, aber wir können jetzt sagen dort gewesen zu sein. Bis zu unserem Übernachtungsplatz in Swellendam legen wir noch 110km durch endlose Getreidefelder zurück.
Die Berge nördlich von Swellendam gehören zum Marloth Naturschutzgebiet. Hier kann man noch ursprüngliche Fynbos Flora finden. Vorab hatte ich mich auf der sehr guten Webseite der Stadt informiert, was man hier tun kann und eine schöne kleine Wanderung im Park rausgesucht. Meine Eltern und mein Bruder mit seiner Freundin wollen an diesem leicht regnerischen Morgen lieber nicht wandern und so gehe ich mit Kerstin allein.
Am Ausgangspunkt des Wanderwegs kommen uns zwei nervöse Frauen entgegen. Aufgebracht berichten sie: Auf dem Weg sitze ein großer aggressiver Pavian, weshalb man den Weg nicht gehen könne. Sie gingen auf keinen Fall wieder dort hin.
Trotz ungutem Gefühl in der Magengegend ziehen wir los. Es geht durch dichtes, regenwaldartiges Grün auf einem schmalen Pfad den Berg hinauf. Es dauert nicht lang bis auch wir mehrere Affen sehen. Wir tasten uns vorsichtig voran. Kerstin hat mega Angst und möchte umdrehen. Obwohl auch ich nervös bin, möchte ich weiter. Kerstin kommt widerwillig mit. An der nächsten Kurve warten die Paviane auf uns. Als wir näher kommen laufen sie ein Stück weg und geben dann laute Schreie von sich. Wir verharren an Ort und Stelle. Kerstin zieht mich zurück, ich bleibe stoisch stehen. Bestimmt 10 Minuten diskutieren wir, was wir jetzt am besten tun. Dann kommt etwas den Weg entlang auf uns zu. Kurz vor uns kommen sie um eine Kurve und wir sehen... ein entspannt spazierendes Touristenpaar mittleren Alters. Deutsche.
"Haben Sie die Paviane gesehen?"
"Paviane? Nein es waren keine hier."
Wir erklären kurz unser Dilemma und sie versichern uns, dass die Luft rein sei. Beruhigt gehen wir weiter. Etwa 50m den Weg entlang sitzt ein Dutzend der Affen in den Bäumen und beobachten uns. Doch da wir wissen, dass auch die blinden Touristen vor uns unversehrt geblieben sind, gehen wir frohen Mutes weiter. Die zwei Damen am Anfang hatten uns so auf Angst und Gefahr gepolt, dass wir fast umgekehrt wären. Wieder mal sind wir begeistert, wie mächtig und gleichzeitig leicht zu beeinflussen die menschliche Psyche ist. Den restlichen Weg genießen wir die traumhafte Natur.
Nach unserem kleinen Spaziergang fahren wir über die kleine Karoo nach Oudtshoorn. Die Berglandschaft ist insbesondere am Anfang sehr sehenswert. Unterwegs sehen wir zu unserer rechten Ronny's berühmten Sex Shop. Eine einfache Bar an der kaum jemand hielt bis ein cleverer Freund von Ronny den Laden von Ronny's Shop in Ronny's Sex Shop umtaufte. Seit dem ist er weltbekannt geworden und in jedem Reiseführer zu finden. Wir halten nicht an. In Oudtshoorn angekommen gehen wir zu zweit in einem schicken, kleinen Restaurant essen. Es gibt Straußenfilet. Wirklich sehr lecker.
Erst am frühen Abend treffen wir meine Familie auf dem Cango Mountain Resort.
Am nächsten Morgen stehen wir früh auf, um pünktlich zu unserer Adventure Tour durch die Cango Caves zu kommen. Diese Tropfsteinhöhle zieht sich in vier Kammern mindestens 5,5 km durch die Berge der kleinen Karoo. Wie groß das Höhlensystem tatsächlich ist weiß niemand, da die Expeditionen nie tiefer vorgedrungen sind. Heute sind Kammer 3, 4 und alle möglicherweise unentdeckten weiteren Kammern aus Naturschutzgründen versiegelt. Kammer zwei darf nur von wenigen Geologiestudenten und Wissenschaftlern betreten werden. Nur Kammer 1 ist für Touristen geöffnet. Dort ist der ursprüngliche Zauber der Höhle durch den Schweiß der unzähligen Touristenhände und die durch unsere Atemluft veränderte Atmosphäre mittlerweile zerstört. Die Kristalle reagieren sehr empfindlich auf jede Veränderung der Umgebung. Nichts desto trotz ist ein Besuch der Cango Caves sehenswert. Es lässt sich nur erahnen wie beeindruckend die anderen Kammern sein müssen.
Die Adventuretour beinhaltet neben der Besichtigung der Höhle vier Engstellen im Fels, die es zu passieren gilt. Und die Engstellen sind wirklich eng. Zumindest wenn man meine Größe hat. Kerstin tut sich überall sehr viel leichter. Beispielsweise klettern wir in einen schmalen Kamin der dann fast 4m nach oben führt. Dort drinnen kann man sich werder drehen und noch festhalten. Besonders der erste Blick in den Schacht macht auch mich ein wenig nervös. Er ist kaum breiter als meine Schultern und den Ausgang kann man auch nur erahnen. Ich schiebe mich mit den Beinen allein nach oben. Meine Hände suchen nach Griffen, doch vergebens. Der Fels ist zu glatt und feucht. Irgendwie winde ich mich trotzdem heraus. Wow, das war eine vollkommen neue Erfahrung. Geil. Die komplette Tour macht mir richtig Spaß. Trotzdem werde ich wohl nicht mehr zum Höhlenforscher umschulen.
Nach eineinhalb Stunden ist die Tour zu Ende und wir fahren wieder Richtung Oudtshoorn. Unsere nächste Station ist eine Straußenfarm. Die Gegend ist berühmt für die sonderbaren zweibeinigen Vögel. Während der Führung erfahren wir, dass ihr Gehirn kleiner ist als ihre Augen und auf einen Teelöffel passt. Dieser Fakt spiegelt sich auch im Verhalten der Vögel wieder. Sie fressen alles was sie finden, egal ob Steine (die brauchen sie für die Verdauung), Holz, Plastik oder anderen Müll. Mit einer Tüte über dem Kopf lassen sie sich einfach beruhigen. Denn sehen sie die Gefahr nicht, dann ist auch keine Gefahr da. Trotzdem bleiben sie beeindruckend. Bis zu 160kg schwer und über 2m groß haben wir alle Respekt vor den Tieren. Natürlich ist hier nicht alles zum Wohl der Vögel. Sie picken sich in Gefangenschaft aus Langeweile gegenseitig die Federn aus dem Hintern. Eine Straußenfarm ist eben in erster Linie ein Zuchtbetrieb zur Fleischproduktion.
Wir verlassen anschließend die kleine Karoo und fahren zurück ins Grüne. Im schönen Küstenort Knysna gehen wir am Abend an der Waterfront lecker Fisch essen und verbringen die Nacht auf dem Monk Campingplatz. Die letzten beiden Tage waren ereignisreich und wir sind gespannt wie es weiter geht.
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