Vergenoegde Tage am Kap

8. Februar bis 11. Februar

Autoren Kerstin und Julian:

Beim Durchfahren waren wir von Stellenbosch nicht besonders angetan, jedoch hörten wir, dass die Innenstadt sehr schön sein soll – tatsächlich! Wieder mache ich die Erfahrung, dass es sich lohnt zu gehen, auch wenn ich nicht so viel Lust habe. Die weißen Häuser im Kap-holländischen-Stil mag ich sehr gerne und so erfreue ich mich doch an dem Spaziergang durch die Innenstadt. Viele Menschen sitzen draußen in den kleinen Cafés und genießen den angenehmen Sommertag. Wir schlendern vorbei an liebevoll eingerichteten Geschäften. Der afrikanische Stil, ob bunt oder elegant dezent, zeigt sich an Porzellan, Tüchern, Figuren, Gemälden, Taschen und Souvenirs. Viele Kleinkünstler (Grüße an das Känguru) verkaufen ihre Werke. Ich lasse meine Augen wandern und erfreue mich an der Leichtigkeit des Tages, gespannt an der nächsten Ecke etwas Neues zu entdecken. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite kann ich in ein älteres, gepflegtes Gebäude schauen. Ich werde neugierig und laufe auf die zweigeteilte Tür zu, deren Oberseite mir den Blick in ein Herrenhaus mit dessen feiner Ausstattung ermöglicht. An der Tür steht eine Frau in einem Kostüm aus dem 19. Jahrhundert. Sie fragt mich nach Tickets und erklärt mir, dass das Gebäude eines von vier zu besichtigenden Häusern des Museums ist. Julian und ich beschließen an der Tour durch die Stadtgeschichte teilzunehmen und werden nicht enttäuscht. Die Häuser sind liebevoll und der damaligen Zeit entsprechend hergerichtet und informieren über die Zeit der Vortrekker. So nennt man die ersten Buren, die in Südafrika siedelten. Wir bewundern die Großzügigkeit der Bauweise. Fast kann ich mir vorstellen, wie die Menschen hier gelebt haben und schreite verspielt durch die Räumlichkeiten. Natürlich stelle ich mir die romantische Version vor und möchte nicht wirklich in der Zeit gelebt haben. Immer wieder entdecken wir vertraute Gegenstände und sind durch einige Vorgängermodelle belustigt. Besonders schön ist es von den Häusern hinaus in den jeweiligen Garten zu treten. Die kleine Zeitreise macht uns Spaß.
Stellenbosch

Zeitreise


Wir verbringen die Tage zu Besuch bei Freunden von Julians Eltern in Sommerset West. Gemeinsam fahren wir auf das Weingut Kleine Zalze zum Mittagessen. Die Preise sind gehoben, dafür schmeckt das feine Essen vorzüglich. Im Anschluss lassen wir uns bei einer Weinprobe über die Weine der Region informieren. Wir testen auch drei Rotweine, die aufgrund ihrer Schwere und Würze für mich als Neuling in der Weinwelt eine echte Herausforderung darstellen. Julian und ich spazieren noch durch den Garten. Auf einer Bank lassen wir uns nieder und beobachten die Golfer. Uns wird bewusst, dass wir unbedingt mal golfen sollten, denn wir können diesem Sport beide überhaupt nichts abgewinnen. 
Schickes Essen in der Kleinen Zalze

Schlendern im Garten
Gipfelsturm auf den Tafelberg aus Julians Perspektive:
Am Freitag ist sehr gutes Wetter mit klarer Sicht und deshalb setze ich meinen Kopf durch und wir fahren nach Kerstins Zahnarztbesuch am Mittag noch nach Kapstadt, um den Tafelberg zu besteigen. Zwar fährt eine Gondel auf den Berg, doch wandern wir alle gern und so nehmen wir das Wahrzeichen Kapstadts zu Fuß in Angriff. Mit Fivefingers an den Füßen macht es für Kerstin und mich doppelt Spaß. Als wir an der Talstation ankommen sind es 31C und die Sonne knallt. „Ideales“ Wetter für unser Vorhaben. 
Der Weg führt uns von Beginn an steil den Berg hinauf. Knapp über 700 Höhenmeter verteilt auf 3,5km liegen vor uns. Doch der Weg ist gut zu gehen. Die Felsen bilden große Stufen und so ist es fast wie Treppensteigen. Die ersten zwei Drittel laufen wir in der prallen Sonne und nutzen jeden kleineren Schattenplatz, um uns kurz abzukühlen. Absteigende Touristen machen uns Mut: „Wow, I better don’t tell you, how hard it gets.“ (Ich sage euch besser nicht wie hart es noch wird.) Doch es wird halb so schlimm. Das letzte und steilste Stück liegt am Nachmittag im Schatten und lässt sich dadurch problemlos erklimmen. 




Oben angekommen bietet sich uns der atemberaubende Rundumblick, der den Tafelberg so berühmt macht. Im Süden können wir bis zum Kap der guten Hoffnung blicken. Hier hängen ein paar der charakteristischen Wolken in den Bergen. Im Westen die Atlantikküste mit den 12 Aposteln (wer nachzählt macht sich nur den schönen Namen kaputt, denn es sind mehr als 12 Felsvorsprünge) und im Osten sehen wir die gesamte False Bay. Die False Bay heißt witzigerweise so, weil viele Seefahrer die Bucht für die Bucht von Kapstadt gehalten haben, dann aber feststellen mussten, dass zwischen ihnen und dem sicheren Hafen noch die gefährlichen Gewässer rund um das Kap der guten Hoffnung liegen. Kapstadt liegt nördlich am Fuße des Tafelberges. Wir können die gesamte Bucht überblicken. Mitten in der Bucht liegt Robben Island, wo Nelson Mandela den Großteil seiner 27-jährigen Gefangenschaft verbracht hat.

Nach Süden

Nach Norden


Es dämmert bald und obwohl ich mir den Sonnenuntergang vom Tafelberg aus an einem Tag wie diesem einzigartig vorstelle fahren wir mit der Gondel wieder hinab. Wir möchten nicht im Dunkeln durch die Großstadt fahren und unsere Autoversicherung zahlt keinen Cent, wenn wir dann einen Unfall bauen. Als ich an der Talstation die endlosen Schlagen Einheimischer und Touristen sehe, die jetzt noch auf den Berg hinauf wollen, ärgere ich mich doch ein wenig nicht dort geblieben zu sein. Naja was soll’s, es war dennoch ein sehr schöner Tag und ein tolles Erlebnis den Tafelberg zu Fuß zu erklimmen. /Julian Ende

Auf dem Kleine Zalze Weingut hat es uns gut gefallen, sodass wir zwei Tage später in das Vergenoegd Wine Estate fahren. Heute ist Markt. Es gibt Stände mit Schmuck, Masken, Malereien, Pflanzen und eine Vielfalt an Essenständen. Auf dem Platz spielt eine Liveband. Bei Speis‘, Trank und Musik lasse ich meine Seele baumeln. Eine leichte Brise rundet den sonnigen Tag ab. Ich fühle mich herrlich leicht. Kurz bevor wir gehen, treiben zwei Angestellte alle Enten aus dem Teich. Verwundert bleiben wir stehen und betrachten das Schauspiel. Alle watscheln quakend hintereinander her und sehen einfach witzig aus. Heute fühle ich mich wie im Urlaub und gehe entspannt und vergenoegd nach Hause.


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