Langa - Ein Township wird zur Stadt
14. Februar
(Ich habe hier nur wenige Bilder gemacht, da es mir unangenehm war die Menschen und ihre Heime zu fotografieren.)
Wir wollen nicht nur das glitzernde und reiche Kapstadt kennen lernen und deshalb haben wir für heute eine geführte Fußtour durch Langa gebucht. Langa ist das älteste schwarze Township Kapstadts und dort lebten 2011 etwas mehr als 50.000 Menschen. Wieviele es heute sind weiß keiner so genau.
Bevor wir aufbrechen gehe ich doch noch zum Arzt. Nach meinem Sturz im Maalgrat tut mein Mittelfinger noch immer ziemlich weh. Die kleine Klinik macht auf mich einen gut ausgestatteten Eindruck und kann mit deutschen Einrichtungen ohne Probleme mithalten. Das Personal ist ausnahmslos ultrafreundlich und hilfsbereit. Da können wir uns noch eine Scheibe abschneiden. Die Untersuchung ist schnell erledigt und das Ergebnis ungut. Der Finger ist gebrochen. Nichts tragisches, nur ein kleine Fraktur am Gelenk. Die Behandlung: nichts tun. Naja hätte auch schlimmer kommen können. Witzigerweise tut mein Finger ab dem Moment als ich erfahre dass er gebrochen ist wieder mehr weh. Also doch alles nur psychosomatisch.
Auf nach Langa. Schon eine halbe Stunde vor dem Termin werden wir von unserer Führerin abgeholt. So haben wir noch etwas Zeit uns im Besucher Zentrum umzusehen. Langa macht auf den ersten Blick den Eindruck einer Kleinstadt mit einfachen Wohnhäusern. Während unserer Führung sehen wir jedoch dass es in Langa alles gibt. Baucontainer in denen zwei Familien leben, Blechhütten, einfache gemauerte Häuser und großzügige Häuser für Wohlhabende. Alle leben unmittelbar zusammen. Zuerst besuchen wir einen alten Mann in seiner Blechhütte. Er erzählt uns spannende Details aus seinem Leben und den Schwierigkeiten. Die Hütte habe er zu 100% mit seinen Händen gebaut. Selbst bei starkem Regen sei sie absolut dicht. Er wirkt sehr stolz. Die Hütte besteht aus 3 kleinen Räumen: Schlafzimmer, Küche und Wohnzimmer. Wir sehen uns um und auf den ersten Blickt fehlt nichts essentielles, außer fließendem Wasser und einer Toilette. Für seine Notdurft gibt es Gemeinschaftstoiletten. Wir ziehen weiter. Am Straßenrand grillen Frauen Schafsköpfe über dem offenen Feuer. Eine beliebte Speise hier im Township. In der nächsten Straße ist die extreme Armut plötzlich verschwunden. Hier besichtigen wir das Haus einer Geschäftsfrau. Sie erzählt dass sie ihren Job in einer Fabrik verlor und aus der Not heraus anfing gefüllte Brötchen zu verkaufen. Heute hat sie vier Angestellte und ihr Haus ist nach gehobenem westlichen Standard eingerichtet. Sie könnte noch weiter expandieren, wenn es sie mehr Platz hätte. Doch Platz ist in Langa Mangelware.
Nach der Führung gehen wir essen. Laut TripAdvisor ist das beste Restaurant der Region Kapstadt in Langa. Ich habe dort einen Tisch reserviert. Im Mzansi soll es traditionelle Küche in familiärer Atmosphäre geben. In einer Ecke spielt eine Band afrikanisch interpretierte Hits aus aller Welt. Das Buffet ist reichhaltig und lecker. Nomonde, die Chefin, erzählt nach dem Essen die Geschichte des Restaurant. Es sei auch aus der Not heraus geboren. Anfangs hätten sie jahrelang ums Überleben gekämpft, da die Touristen sich nur selten in die Townships trauen. Das Stigma von Mord und Totschlag sei noch immer in den Köpfen der Menschen verankert. Seit einem Jahr laufe der Laden weil sie es bei TripAdvisor an die Spitze geschafft habe. Nach Nomondes Geschichte bricht die große Reisegruppe, die gemeinsam mit uns im Restaurant ist, schnell auf. Wir sind die einzigen verbliebenen Gäste und Nomonde setzt sich bei uns an den Tisch. Wir plaudern über Touristen, ihr Essen und die Rezepte. Sie ist offen und herzlich. Als auch wir aufbrechen begleitet sie uns mit ein paar Angestellten zum Auto. Die Männer sind von unseren Campern begeistert und freuen sich einen Blick hinein werfen zu dürfen. Nomonde drückt uns alle zum Abschied. Erst da merke ich, dass es für sie tatsächlich ein gegenseitiger kultureller Austausch ist.
Ein spannender Tag geht zu Ende. Wir haben uns in Langa immer sicher gefühlt. Niemand hat uns belästigt oder unfreundlich angeschaut. Verbrechen mag es geben, doch mit Sicherheit nicht allgegenwärtig.
Leider ist das vorerst der letzte Post mit dieser Qualität an Bildern. Wenn ihr das lesen könnt, haben wir Kapstadt schon verlassen und dann ist schnelles Internet wieder die Ausnahme. Wie vorher werde ich versuchen so oft wie möglich etwas hochzuladen. Die Bilder werden dann aber wahrscheinlich wieder weniger und kleiner sein. Bis bald.
(Ich habe hier nur wenige Bilder gemacht, da es mir unangenehm war die Menschen und ihre Heime zu fotografieren.)
Wir wollen nicht nur das glitzernde und reiche Kapstadt kennen lernen und deshalb haben wir für heute eine geführte Fußtour durch Langa gebucht. Langa ist das älteste schwarze Township Kapstadts und dort lebten 2011 etwas mehr als 50.000 Menschen. Wieviele es heute sind weiß keiner so genau.
Bevor wir aufbrechen gehe ich doch noch zum Arzt. Nach meinem Sturz im Maalgrat tut mein Mittelfinger noch immer ziemlich weh. Die kleine Klinik macht auf mich einen gut ausgestatteten Eindruck und kann mit deutschen Einrichtungen ohne Probleme mithalten. Das Personal ist ausnahmslos ultrafreundlich und hilfsbereit. Da können wir uns noch eine Scheibe abschneiden. Die Untersuchung ist schnell erledigt und das Ergebnis ungut. Der Finger ist gebrochen. Nichts tragisches, nur ein kleine Fraktur am Gelenk. Die Behandlung: nichts tun. Naja hätte auch schlimmer kommen können. Witzigerweise tut mein Finger ab dem Moment als ich erfahre dass er gebrochen ist wieder mehr weh. Also doch alles nur psychosomatisch.
Auf nach Langa. Schon eine halbe Stunde vor dem Termin werden wir von unserer Führerin abgeholt. So haben wir noch etwas Zeit uns im Besucher Zentrum umzusehen. Langa macht auf den ersten Blick den Eindruck einer Kleinstadt mit einfachen Wohnhäusern. Während unserer Führung sehen wir jedoch dass es in Langa alles gibt. Baucontainer in denen zwei Familien leben, Blechhütten, einfache gemauerte Häuser und großzügige Häuser für Wohlhabende. Alle leben unmittelbar zusammen. Zuerst besuchen wir einen alten Mann in seiner Blechhütte. Er erzählt uns spannende Details aus seinem Leben und den Schwierigkeiten. Die Hütte habe er zu 100% mit seinen Händen gebaut. Selbst bei starkem Regen sei sie absolut dicht. Er wirkt sehr stolz. Die Hütte besteht aus 3 kleinen Räumen: Schlafzimmer, Küche und Wohnzimmer. Wir sehen uns um und auf den ersten Blickt fehlt nichts essentielles, außer fließendem Wasser und einer Toilette. Für seine Notdurft gibt es Gemeinschaftstoiletten. Wir ziehen weiter. Am Straßenrand grillen Frauen Schafsköpfe über dem offenen Feuer. Eine beliebte Speise hier im Township. In der nächsten Straße ist die extreme Armut plötzlich verschwunden. Hier besichtigen wir das Haus einer Geschäftsfrau. Sie erzählt dass sie ihren Job in einer Fabrik verlor und aus der Not heraus anfing gefüllte Brötchen zu verkaufen. Heute hat sie vier Angestellte und ihr Haus ist nach gehobenem westlichen Standard eingerichtet. Sie könnte noch weiter expandieren, wenn es sie mehr Platz hätte. Doch Platz ist in Langa Mangelware.
Nach der Führung gehen wir essen. Laut TripAdvisor ist das beste Restaurant der Region Kapstadt in Langa. Ich habe dort einen Tisch reserviert. Im Mzansi soll es traditionelle Küche in familiärer Atmosphäre geben. In einer Ecke spielt eine Band afrikanisch interpretierte Hits aus aller Welt. Das Buffet ist reichhaltig und lecker. Nomonde, die Chefin, erzählt nach dem Essen die Geschichte des Restaurant. Es sei auch aus der Not heraus geboren. Anfangs hätten sie jahrelang ums Überleben gekämpft, da die Touristen sich nur selten in die Townships trauen. Das Stigma von Mord und Totschlag sei noch immer in den Köpfen der Menschen verankert. Seit einem Jahr laufe der Laden weil sie es bei TripAdvisor an die Spitze geschafft habe. Nach Nomondes Geschichte bricht die große Reisegruppe, die gemeinsam mit uns im Restaurant ist, schnell auf. Wir sind die einzigen verbliebenen Gäste und Nomonde setzt sich bei uns an den Tisch. Wir plaudern über Touristen, ihr Essen und die Rezepte. Sie ist offen und herzlich. Als auch wir aufbrechen begleitet sie uns mit ein paar Angestellten zum Auto. Die Männer sind von unseren Campern begeistert und freuen sich einen Blick hinein werfen zu dürfen. Nomonde drückt uns alle zum Abschied. Erst da merke ich, dass es für sie tatsächlich ein gegenseitiger kultureller Austausch ist.
Ein spannender Tag geht zu Ende. Wir haben uns in Langa immer sicher gefühlt. Niemand hat uns belästigt oder unfreundlich angeschaut. Verbrechen mag es geben, doch mit Sicherheit nicht allgegenwärtig.
Leider ist das vorerst der letzte Post mit dieser Qualität an Bildern. Wenn ihr das lesen könnt, haben wir Kapstadt schon verlassen und dann ist schnelles Internet wieder die Ausnahme. Wie vorher werde ich versuchen so oft wie möglich etwas hochzuladen. Die Bilder werden dann aber wahrscheinlich wieder weniger und kleiner sein. Bis bald.
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