Jeden Tag miniSport - Eine Bilanz nach 6 Monaten
(In diesem Post geht es nicht um unsere Reise. Lediglich die Bilder ganz am Ende stammen aus Namibia. Den nächsten Reisebericht gibt es, wenn nichts dazwischen kommt, spätestens morgen.)
Immer wieder lasse ich mich zu einem Spruch hinreißen, ohne vorher ernsthaft über die Konsequenzen nachzudenken. So auch am 28. Juli 2016, also vor einem halben Jahr.
Kerstin steckte mitten im Lernstress für ihr Staatsexamen. Nicht dass sie sowieso genug um die Ohren hatte, zusätzlich musste sie sich laufend von mir anhören, wie sehr es ihrer Stimmung, ihrer Aufnahmekapazität und sowieso ihrem ganzen Körper und Geist gut tun würde, wenn sie zwischendurch ab und zu ein wenig Sport treiben würde. Vor allem die permanenten Rückenschmerzen (die wir beide hatten) würden dann besser. Sie stattdessen kämpfte lieber jede freie Minute mit Dr. Meredith Gray, um das Leben ihrer Patienten und die Liebe dieses schnuckeligen Arztes (sein Name ist mir entfallen, sowas aber auch). Nun ja an diesem verhängnisvollen 28. Juli war es anders. Kerstin berichtete voller Stolz, dass sie jetzt schon an zwei aufeinanderfolgenden Tagen ein 7-Minuten-Workout gemacht habe. Für die weniger handyabhängige Generation eine kurze Erklärung: 7-Minute-Workouts sind kurze (meistens eben 7 Minuten) app-begleitete Sporteinlagen. Die App gibt wechselnde Übungen, die Trainingszeit und die Pause vor. Diese Apps erfreuen sich großer Beliebtheit und dementsprechend gibt es unzählig viele. Von absolutem Schrott, bis zu wirklich brauchbaren Programme. Jeweils kostenlos oder gegen einen kleinen bis mittleren Obolus kann man in den Appstores alles finden.
Zurück zu Kerstin, sie schaute mich begeistert an und erwartete jetzt offensichtlich ein Lob.
„Ja super Schatz! Das freut mich.“ Kurze peinliche Ruhe, … offenbar war das von meiner Seite nicht enthusiastisch genug.
Also mit mehr Begeisterung: „Megageil, was hältst du davon, wenn wir das jetzt beide jeden Tag machen, bis einer aufgibt, oder es vergisst. Der Verlierer erfüllt dem Gewinner einen Wunsch.“ – „Okay, machen wir.“ Längere peinliche Ruhe, … … …. Damit hatte ich nicht gerechnet.
Und eben diese Wette läuft bis heute.
Das Regelwerk ist denkbar einfach: Es gibt keine Entschuldigungen, außer Fieber und andere schwere Erkrankungen. Der jeweils andere entscheidet, wann eine Erkrankung schwer genug ist, um auszusetzen (wir mögen uns, daher funktioniert so eine Regel). Jedes Workout, muss mindestens 5 Minuten dauern und vor allem den Bauch und Rücken stärken. Das war es.
Obwohl es nur 5 Minuten sein müssen, war es wochenlang einfach nur ätzend sich jeden Tag auf den Boden zu legen, um Bauch und Rücken zu trainieren. Vor allem da diese Muskelpartien bei uns jämmerlich verkümmert waren. Mein 5 Minuten Bauchworkout war anfangs selbst auf der Beginner Stufe eine Qual.
Zusätzlich gab es immer wieder Tage die es besonders schwer machten die Zeit und vor allem den Raum zu finden. So kam es, dass ich mein Workout mehrfach in der Mittagspause auf der Patientenliege in meinem Büro machte. Der Chef kam zum Glück nie rein. Bei einem Seminar in Berlin legten sich kurzerhand alle Zimmergenossen in unserem Mehrbettzimmer gemeinsam mit mir auf den Boden und Kerstin verschwand auf einer Einweihungsparty kurzfristig in den Raum nebenan, wo sie dann von einem irritierten Partygast auf dem Boden liegend gefunden wurde.
Nach 2 Wochen bereits war die Beginner Stufe kein Problem mehr und auch die mittlere Stufe wurde bald zu einfach. Die kurze Trainingszeit jeden Tag reichte, um die Leistung enorm zu verbessern. Ob nun Situps, Unterarmstütz, Liegestütze oder Klimmzüge alles verbesserte sich enorm. Selbst der Rücken tut deutlich weniger weh.
Auch mental veränderte sich etwas in unserer Wahrnehmung, wenngleich es gut 3 Monate dauerte. Die Workouts wurden fester Bestandteil des Tages. Egal wie stressig, ein Tag war oder wie müde wir am Abend nach Hause kamen. Das Workout wurde ohne großes Genörgel vor dem Schlafen gehen noch erledigt. Da war es auch mal 3 Uhr in der Nacht.
So läuft es auch jetzt hier in Namibia. Ob 40C und praller Sonnenschein oder am stürmigen Strand, unser kurzes Workout wird erledigt.
Wir waren beide überrascht welche sportlichen Fortschritte man mit so wenig Zeit erreichen kann. Wenn euer Neujahrvorsatz für 2017 also mal wieder lautete: "Ich möchte mehr Sport machen." Dann probiert es doch erst mal mit 5 Minuten am Tag. Es gibt kein zu wenig. Zu wenig ist gar nicht.
Wie würde mein Kumpel Dennis sagen? Stay strong!
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